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Ausbildung, Arbeitsmarkt und Fachkräftemangel
18.10.2026
Leiharbeit wird für Kliniken zur teuren Dauerlösung
Kliniken sind wegen des Fachkräftemangels dauerhaft auf teure Leiharbeit angewiesen – für eine Pflegekraft fallen monatlich bis zu 22.000 Euro an.
Kliniken sind wegen des Fachkräftemangels dauerhaft auf teure Leiharbeit angewiesen – für eine Pflegekraft fallen monatlich bis zu 22.000 Euro an.
Krankenhäuser sind wegen des Fachkräftemangels zunehmend dauerhaft auf teure Leiharbeit angewiesen. Fallen Pflegekräfte im OP oder auf Stationen aus, drohen abgesagte Eingriffe, gesperrte Betten und Stationsschließungen, da gesetzliche Personaluntergrenzen gelten. Nach Recherchen der F.A.Z. setzen Frankfurter Kliniken externe Kräfte vor allem in Intensivmedizin, OP und hoch spezialisierten Bereichen ein. Für eine Pflegekraft sollen monatlich bis zu 22.000 Euro anfallen. Leasingpersonal müsse zudem aufwendig eingearbeitet werden, während Kliniken Kostensteigerungen nicht flexibel weitergeben könnten. Gewerkschafter Stefan Röhrhoff sagt, kein Krankenhaus funktioniere ohne Leiharbeit. Zeitarbeitsfirmen locken Festangestellte zugleich mit höherem Verdienst, mehr Urlaub und frei wählbaren Schichten. Damit verschärft sich der Wettbewerb um Pflegekräfte. Eine von der Deutschen Krankenhausgesellschaft angeregte Begrenzung der Vergütung blieb bislang ohne Folgen; ein Verbot gilt wegen der Berufsfreiheit als verfassungsrechtlich problematisch.
Kinderhospize kämpfen mit Finanznot und Pflegereform
Kinderhospize leiden unter chronischer Unterfinanzierung und Fachkräftemangel. Eine Pflegereform könnte betroffene Familien zusätzlich belasten.
Kinderhospize leiden unter chronischer Unterfinanzierung und Fachkräftemangel. Eine Pflegereform könnte betroffene Familien zusätzlich belasten.
Kinder- und Jugendhospize begleiten Familien oft über Jahre, sind jedoch chronisch unterfinanziert. Nach Angaben des Deutschen Kinderhospizvereins gibt es bundesweit 22 stationäre Einrichtungen und 171 ambulante Dienste. Ein großer Teil ihrer Arbeit hängt von Spenden ab. Der Verein finanziert rund 70 Prozent seines für 2026 vorgesehenen Budgets von 16 Millionen Euro aus freiwilligen Mitteln. Das Kinderhospiz Balthasar in Olpe deckt etwa die Hälfte seines Jahresbudgets von sechs Millionen Euro durch Spenden; beim Kinderhospiz Löwenherz in Syke erstatten die Kassen nur rund ein Drittel der Kosten.
Wie die F.A.Z. berichtet, verschärfen Fachkräftemangel, hohe Qualifikationsvorgaben und bürokratische Hürden die Lage. Kritik gibt es zudem am 2025 eingeführten gemeinsamen Jahresbetrag für Kurzzeit- und Verhinderungspflege. Werden Hospizaufenthalte darauf angerechnet, fehlt Familien Geld für Entlastung zu Hause. Der Deutsche Kinderhospizverein warnt deshalb vor unbeabsichtigten Folgen der Reform.
Arzt rät Älteren zu Grippe-, Covid- und RSV-Impfung
Zum Start der Erkältungssaison rät Internist Thomas Aßmann älteren Menschen zu Impfungen gegen Grippe, Covid-19 und RSV sowie zu Masken in Menschenmengen.
Zum Start der Erkältungssaison rät Internist Thomas Aßmann älteren Menschen zu Impfungen gegen Grippe, Covid-19 und RSV sowie zu Masken in Menschenmengen.
Mit Beginn der Erkältungs- und Grippesaison rät der Internist Thomas Aßmann in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ besonders älteren Menschen zu Impfungen gegen Influenza, Covid-19 und RSV. Eine echte Grippe beginne meist plötzlich mit hohem Fieber und könne bei älteren Patienten tödlich verlaufen. Wegen der Veränderlichkeit der Grippeviren müsse die Impfung jährlich erneuert werden. Zusätzlich empfiehlt Aßmann Atemmasken in großen Menschenmengen, um sich selbst und andere zu schützen. Anders als bei der zuletzt als gesichert eingeschätzten Versorgung mit Wintermedikamenten steht damit nun die Vorbeugung im Mittelpunkt. Husten, der länger als drei bis vier Wochen anhält, sollte laut Aßmann ärztlich abgeklärt werden, weil auch eine schwere Erkrankung wie Lungenkrebs dahinterstecken könne.
Gesundheitspolitik und Versorgungssysteme
17.10.2026
Wiesbaden hebt Abkochgebot für Trinkwasser auf
Nach drei unauffälligen Wasserproben hebt Wiesbaden das Abkochgebot für Teile der Innenstadt auf. Leitungswasser muss nicht mehr abgekocht werden.
Nach drei unauffälligen Wasserproben hebt Wiesbaden das Abkochgebot für Teile der Innenstadt auf. Leitungswasser muss nicht mehr abgekocht werden.
Das vorsorgliche Abkochgebot für Trinkwasser in Teilen der Wiesbadener Innenstadt ist aufgehoben. Wie die F.A.Z. unter Berufung auf die Stadt berichtet, zeigten drei aufeinanderfolgende Wasserproben keine bakteriellen Auffälligkeiten. Die Trinkwasserqualität entspreche damit wieder den gesetzlichen Vorgaben; Leitungswasser müsse nicht mehr abgekocht werden. Seit dem 25. September hatten die Wasserversorger Untersuchungen vorgenommen und nach der Ursache gesucht. Zuvor war nahe dem Kurhaus ein Bakterium nachgewiesen worden, das sich besonders auf kranker oder vorgeschädigter Haut sowie auf Schleimhäuten ansiedeln kann.
Messerangriff in Olfener Seniorenheim: Bewohnerin getötet
Ein 72-jähriger Bewohner soll bei einem Messerangriff in einem Olfener Seniorenheim eine Frau getötet und zwei weitere schwer verletzt haben.
Einordnung: Neu sind Angaben zum mutmaßlichen Täter, zur Festnahme, zum Tatort und zum vorübergehend lebensgefährlichen Zustand einer Verletzten.
Vorher: „Messerangriff in Seniorenheim: Eine Tote, zwei Schwerverletzte“ (16.10.2026)
Ein 72-jähriger Bewohner soll bei einem Messerangriff in einem Olfener Seniorenheim eine Frau getötet und zwei weitere schwer verletzt haben.
Der mutmaßliche Täter des Messerangriffs im St. Vitus-Stift in Olfen ist ein 72-jähriger Bewohner, der nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur im Rollstuhl gesessen haben soll. Er wurde widerstandslos festgenommen. Die Polizei richtete eine Mordkommission ein.
Bei dem Angriff am Freitagabend wurde eine 86-jährige Bewohnerin getötet. Zwei Frauen im Alter von 81 und 83 Jahren erlitten schwere Verletzungen. Die 83-Jährige schwebte vorübergehend in Lebensgefahr, konnte nach Angaben am Samstagmorgen jedoch zunächst stabilisiert werden. Als Tatort nannten die Ermittler die Cafeteria des Seniorenheims.
Motiv und Beziehung des Verdächtigen zu den Opfern sind weiterhin ungeklärt. Die „Bild“-Zeitung berichtete, der Mann habe sich gemobbt gefühlt und an Mitbewohnerinnen rächen wollen. Polizei und Staatsanwaltschaft bestätigten dies zunächst nicht. In der städtischen Einrichtung leben nach Betreiberangaben 77 pflegebedürftige Senioren.
EMA empfiehlt Zulassung für tägliche Abnehm- und Diabetespille
Die EMA empfiehlt die EU-Zulassung der täglichen GLP-1-Pille Orforglipron gegen Typ-2-Diabetes, Adipositas und krankhaftes Übergewicht.
Die EMA empfiehlt die EU-Zulassung der täglichen GLP-1-Pille Orforglipron gegen Typ-2-Diabetes, Adipositas und krankhaftes Übergewicht.
Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) empfiehlt die EU-Zulassung von Orforglipron zur Behandlung von Erwachsenen mit Typ-2-Diabetes sowie zum Gewichtsmanagement bei Adipositas oder Übergewicht mit Begleiterkrankungen. Der einmal täglich einzunehmende, nicht peptidische GLP-1-Rezeptoragonist wird als Tablette unabhängig von Mahlzeiten angewendet.
Wie aerzteblatt.de unter Berufung auf die EMA berichtet, verloren Studienteilnehmende nach 72 Wochen je nach Dosierung etwa fünf bis elf Prozent ihres Körpergewichts. Bei Typ-2-Diabetes sank der HbA1c-Wert um rund 1,2 bis 1,9 Prozentpunkte. Häufigste Nebenwirkungen waren Übelkeit, Erbrechen und Durchfall, insbesondere während der schrittweisen Dosiserhöhung. Über die EU-weite Marktzulassung entscheidet nun die Europäische Kommission.
Sturzprävention: Individuelle Programme kaum überlegen
Individuelle Programme zur Sturzprävention senken Stürze bei Älteren wohl nur leicht und sind einfachen Trainings oder Schulungen kaum überlegen.
Individuelle Programme zur Sturzprävention senken Stürze bei Älteren wohl nur leicht und sind einfachen Trainings oder Schulungen kaum überlegen.
Personalisierte Maßnahmen zur Sturzprävention können die Zahl der Stürze bei älteren Menschen möglicherweise etwas senken, scheinen einfachen Ansätzen wie körperlichem Training oder Schulungen jedoch nicht überlegen zu sein. Das berichtet aerzteblatt.de unter Berufung auf einen aktualisierten Cochrane-Review. Ausgewertet wurden 110 randomisiert-kontrollierte Studien mit insgesamt 48.919 selbstständig lebenden Menschen ab 60 Jahren. Nach der Aktualisierung praktischer Ratgeber zur Sturzprävention kommt es damit nun vor allem auf die Erkenntnis an, dass individuell zugeschnittene Programme nicht zwingend wirksamer sind als einfachere Maßnahmen.
Neue GKV-Schätzung als Basis für Beitragsdebatte ab 2027
Sozialpolitik aktuell nimmt die neue GKV-Schätzung für 2026 und 2027 auf. Sie bildet die Basis der Beitragsdebatte, nennt aber keine Prognosewerte.
Sozialpolitik aktuell nimmt die neue GKV-Schätzung für 2026 und 2027 auf. Sie bildet die Basis der Beitragsdebatte, nennt aber keine Prognosewerte.
Das Informationsportal Sozialpolitik aktuell hat seine Übersicht zur Finanzierung der gesetzlichen Krankenversicherung aktualisiert. Neu aufgenommen wurde die im Oktober 2026 veröffentlichte Schätzung des GKV-Schätzerkreises zu den finanziellen Rahmenbedingungen der Jahre 2026 und 2027. Damit liegt nun eine aktuelle Grundlage für die weitere Debatte über die Stabilität der Beiträge ab 2027 vor. Konkrete Prognosewerte nennt die Übersichtsseite nicht.
RKI meldet leichten Anstieg von Corona und Influenza
Das RKI registriert einen leichten Anstieg von Corona und Influenza. Atemwegserkrankungen bleiben insgesamt auf moderatem Niveau.
Das RKI registriert einen leichten Anstieg von Corona und Influenza. Atemwegserkrankungen bleiben insgesamt auf moderatem Niveau.
Die Aktivität akuter Atemwegserkrankungen lag in der 41. Kalenderwoche vom 5. bis 11. Oktober 2026 in der Bevölkerung und im ambulanten Bereich auf moderatem Niveau. In Krankenhäusern blieb sie niedrig. Nach Angaben des Robert Koch-Instituts bestimmten vor allem Rhino-/Enteroviren und Parainfluenzaviren das Infektionsgeschehen. Die Aktivität von SARS-CoV-2, Influenza und RSV war weiterhin gering. Allerdings registrierte das RKI in mehreren Überwachungssystemen einen allmählichen Anstieg der Corona- und Influenza-Aktivität. Es gebe Hinweise darauf, dass SARS-CoV-2 bereits bundesweit flächendeckend zirkuliere.
AOK Bayern fordert klare KI-Regeln gegen Abrechnungsbetrug
Die AOK Bayern fordert klare Regeln für KI-gestützte Kontrollen und Datenaustausch, um Abrechnungsbetrug früher zu erkennen – ohne Generalverdacht.
Die AOK Bayern fordert klare Regeln für KI-gestützte Kontrollen und Datenaustausch, um Abrechnungsbetrug früher zu erkennen – ohne Generalverdacht.
Die AOK Bayern fordert effektivere Kontrollen gegen Abrechnungsbetrug im Gesundheitswesen, warnt aber vor einem Generalverdacht gegen Leistungserbringer. Neu im Vergleich zu bisherigen Betrugswarnungen ist der konkrete Ruf nach mehr Rechtssicherheit für den Einsatz Künstlicher Intelligenz und den Austausch von Daten zwischen beteiligten Stellen. KI könne auffällige Abrechnungsmuster und ungewöhnliche Häufungen früher erkennen, ersetze jedoch keine fachliche Prüfung, berichtet aerzteblatt.de.
Die Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Betrug und Korruption im Gesundheitswesen verzeichnete seit ihrer Gründung 2020 mehr als 3.000 Ermittlungsverfahren. Knapp 400 Personen mussten sich vor Gericht verantworten. Gerichte ordneten die Einziehung von insgesamt mehr als 24 Millionen Euro an. Entscheidend seien nun klare Regeln dafür, welche Daten ausgewertet, verknüpft und zwischen Behörden und Kassen ausgetauscht werden dürfen.
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